Altes Eckernförde

All the news that's fit to print / Est. 1872

nixe

Die bronzene Nixe und das Schweigen der Ostsee

Es gibt Momente, in denen die Zeit in Eckernförde stillzustehen scheint. Man geht am Kurstrand entlang, den feinen Sand unter den Sohlen und den herben Geruch von Seetang in der Nase, bis man vor ihr steht. Seit 1999 hockt sie dort auf ihrem Stein, die Eckernförder Nixe. Geschaffen von Eckhard Kowalke, ist sie weit mehr als nur eine Bronzestatue. Für uns Einheimische ist sie eine alte Bekannte, die geduldig den Gezeiten trotzt und deren glänzende Oberfläche von tausenden Händen glatt gestrichen wurde, die im Vorbeigehen kurz bei ihr verweilten.

Ich erinnere mich noch gut an die Tage, als sie frisch aufgestellt wurde. Damals wirkte das Metall noch dunkler, fast fremd gegen das ewige Blau der Ostsee. Doch mit den Jahren hat sie die Patina der Stadt angenommen. Sie hat miterlebt, wie Kinder in den Wellen spielen lernten, wie Paare sich bei Sonnenuntergang ewige Treue schworen und wie die schweren Winterstürme die Gischt bis hoch zu ihrem Sockel peitschten. Sie ist die stille Zeugin unserer kleinen und großen Geschichten geworden, ein Ankerpunkt in einer Welt, die sich oft viel zu schnell dreht.

Wenn man heute neben ihr steht und den Blick über die Bucht schweifen lässt, spürt man diese ganz besondere Melancholie, die nur Hafenstädte besitzen. Das Kreischen der Möwen und das ferne Tuckern der Fischkutter bilden die Kulisse für ein Zwiegespräch ohne Worte. Die Nixe schaut nicht aufs Land, sie schaut hinaus aufs offene Meer, dorthin, wo der Horizont verschwimmt. Vielleicht wartet sie auf jemanden, vielleicht bewacht sie auch nur die Träume, die wir am Strand zurückgelassen haben.

Es ist dieser eine Ort, an den man immer wieder zurückkehrt, wenn man Heimweh nach dem Norden hat. Die Nixe ist das Gesicht unseres Eckernfördes geworden – ein Symbol für die Beständigkeit zwischen Ebbe und Flut. Wer einmal ihre kühle Bronze berührt hat, während die Abendsonne die Wellen in flüssiges Gold verwandelt, der weiß, dass man diesen Ort niemals ganz verlässt. Er bleibt ein Teil von uns, genau wie das leise Rauschen der Ostsee in einer Muschel.