Wenn ich heute am Hafen von Eckernförde stehe, ist es nicht nur die salzige Brise, die mir entgegenweht, sondern ein ganzer Schwall an Kindheitserinnerungen. Mein Blick bleibt oft an den hölzernen Masten der Fischkutter hängen, an denen die bunten Fahnen im Wind tanzen. Diese kleinen, wettergegerbten Stofffetzen, die einst zur Kennzeichnung der Treibnetze dienten, sind für mich weit mehr als nur Arbeitsgerät. Sie sind die stummen Zeugen einer Ära, in der das Meer nicht nur Kulisse für Touristen war, sondern das schlagende Herz unserer Stadt. Das leise Schlagen der Leinen gegen das Holz mischt sich mit dem fernen Kreischen der Möwen zu einer Melodie, die so nur hier, zwischen Ostsee und Hafenmauer, existiert.
Ich erinnere mich noch gut an die frühen Morgenstunden, wenn der Nebel noch schwer über dem Wasser lag. Das Fischereiequipment an Bord der Kutter erzählte Geschichten von harter Arbeit und rauer See. Die Netze rochen nach Algen und Abenteuer, und die groben Maschen fühlten sich unter den Fingern rau und verkrustet an. Jede Flagge, oft mit dem Kürzel des Heimathafens versehen, trug die Spuren unzähliger Fahrten auf die offene See hinaus. Es war ein ehrliches Handwerk, das den Takt unserer Tage vorgab – vom Auslaufen der Flotte in der Morgendämmerung bis zum feilschenden Verkauf des frischen Fangs direkt an der Kaikante.
Heute wirken diese Relikte der Fischerei fast wie Kunstwerke in einem Freilichtmuseum, doch für uns Einheimische sind sie tief in der Seele verwurzelt. Wenn ich die Aufschrift ECKE auf den alten Markierungen lese, spüre ich die Verbundenheit zu den Generationen vor uns, die mit ihren Händen und ihrem Mut diesen Ort geprägt haben. Es ist ein beruhigendes Gefühl, dass trotz des Wandels der Zeit diese Symbole der Beständigkeit geblieben sind. Sie erinnern uns daran, wer wir sind und woher wir kommen – ein Volk, das dem Meer immer mit Respekt und tiefer Dankbarkeit begegnet ist.