Es gibt Orte, die sich anfühlen wie eine warme Decke an einem stürmischen Tag an der Ostsee. Wenn ich vor dem alten Rathaus stehe, das heute unser Museum beherbergt, ist es nicht nur die Architektur, die mich innehalten lässt. Es ist der Geruch von gebohnerter Eiche und altem Papier, der mir entgegenschlägt, sobald ich die schwere Tür öffne. In diesen Mauern scheint die Zeit nicht zu vergehen, sondern sich lediglich auszuruhen, während draußen der Wind die Wellen der Bucht vor sich hertreibt.
Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich als Kind mit großen Augen vor den Modellen der alten Fischräuchereien stand. Das Licht fiel schräg durch die hohen Fenster und tanzte auf den Exponaten, die von einer Welt erzählten, in der der silberne Fang der Fischer noch das tägliche Brot der Stadt bedeutete. Jeder ausgestellte Gegenstand, vom rostigen Anker bis zur filigranen Spitze der Bürgersfrauen, flüstert Geschichten von harter Arbeit, von Festen auf dem Marktplatz und von der Beständigkeit des Lebens am Meer.
Das Museum ist weit mehr als eine bloße Sammlung von Kuriositäten; es ist das kollektive Gedächtnis unserer Stadt. Hier finden wir die Gesichter unserer Vorfahren in vergilbten Fotografien wieder und spüren die Verbindung zu jenen, die vor uns über das Kopfsteinpflaster der Altstadt liefen. Es ist ein stiller Ankerpunkt in einer Welt, die sich immer schneller dreht, ein Ort, an dem wir uns daran erinnern können, wer wir sind und woher wir kommen.
Wenn ich heute durch die Räume gehe, höre ich das leise Knarren der Dielen unter meinen Füßen – ein Geräusch, das Generationen von Eckernfördern kennen. Es ist tröstlich zu wissen, dass unsere Erinnerungen hier sicher aufgehoben sind. In diesem alten Haus am Rathausmarkt wird die Vergangenheit nicht nur verwahrt, sie bleibt lebendig, greifbar und tief verwurzelt in jedem Ziegelstein und jedem Herzschlag unserer kleinen Stadt am Meer.