Wenn ich heute meine Augen schließe und an den Rathausmarkt in Eckernförde denke, spüre ich zuerst das unebene Kopfsteinpflaster unter meinen Schuhsohlen. Es ist ein Ort, der sich über die Jahrzehnte hinweg seine Seele bewahrt hat, ein steinernes Herz, das im Rhythmus der Gezeiten und der Jahreszeiten schlägt. Hier, im Schatten des historischen Rathauses, vermischt sich seit jeher das Geschrei der Möwen mit dem sanften Gemurmel der Spaziergänger, die ohne Eile über den Platz flanieren, während die salzige Brise vom Hafen herüberweht.
Ich erinnere mich an die Vormittage, an denen der Markt in ein buntes Chaos getaucht war. Die hölzernen Karren der Händler bogen sich unter der Last von frischem Gemüse aus dem Umland und dem silbrigen Fang der Fischer. Es roch nach feuchter Erde, nach würzigem Käse und natürlich nach dem unverwechselbaren Aroma der Kieler Sprotten, die hier in Eckernförde ihre wahre Heimat haben. Man traf sich nicht nur zum Einkaufen; man traf sich, um Neuigkeiten auszutauschen, um kurz innezuhalten und das Treiben zu beobachten, das sich vor der Kulisse der altehrwürdigen Fassaden abspielte.
Besonders in den ruhigeren Stunden, wenn die Sonne tiefer stand und die langen Schatten der Giebelhäuser über den Platz wanderten, entfaltete der Rathausmarkt eine ganz eigene Magie. Die Schritte der Passanten klangen dann hohler, fast andächtig, und das Licht der Straßenlaternen verlieh dem Ort einen goldenen Glanz, der die Zeit für einen Moment stillstehen ließ. Es ist dieser friedliche Anblick, den ich in mir trage: Ein Ort der Beständigkeit in einer Welt, die sich viel zu schnell dreht.
Auch wenn die Gesichter der Menschen wechseln und die Mode der Spaziergänger eine andere geworden ist, bleibt der Kern des Rathausmarktes unverändert. Er ist der Ankerpunkt unserer Stadt, ein Zeuge unzähliger Begegnungen und kleiner Geschichten, die sich in die Fugen zwischen den Steinen eingebrannt haben. Wer heute dort steht und lauscht, kann es immer noch hören – das leise Flüstern der Vergangenheit, das uns daran erinnert, wo wir zu Hause sind.