Wer an Eckernförde denkt, der hat unweigerlich das rhythmische Klopfen der Schritte auf dem alten Holz der Seebrücke im Ohr. Es war ein Geräusch, das den Takt unserer Sommer vorgab. Wenn der Wind die salzige Gischt der Ostsee hochpeitschte und man sich fest am Geländer hielt, fühlte sich dieser schmale Steg wie die Brücke in eine andere Welt an. Hier draußen, wo das Wasser tiefer und dunkler wurde, roch die Luft intensiver nach Freiheit und Algen, und der Alltag am Ufer schien meilenweit entfernt.
Die Seebrücke war weit mehr als eine bloße Konstruktion aus Pfeilern und Planken; sie war der stumme Zeuge zahlloser Begegnungen. Hier wurden die ersten schüchternen Küsse unter dem weiten Sternenhimmel getauscht, während die Wellen sanft gegen das Gebälk glucksten. Touristen ließen sich den Wind um die Nase wehen und Einheimische suchten den Horizont ab, als könnten sie dort die Antworten auf alle Fragen finden. Es war ein Ort, an dem die Zeit stillzustehen schien, egal wie sehr die Gezeiten an den Fundamenten rüttelten.
Ich erinnere mich noch gut an jene Tage, an denen die Seebrücke teilweise abgebaut oder vom Wetter gezeichnet war. Selbst in diesem Zustand der Vergänglichkeit bewahrte sie ihren ganz eigenen, melancholischen Charme. Die nackten Pfähle, die wie Mahnmale aus dem Wasser ragten, erzählten Geschichten von vergangenen Wintern und der unbändigen Kraft der Natur. Es war ein Anblick, der uns lehrte, dass nichts für die Ewigkeit gebaut ist, außer vielleicht die Erinnerung an das Gefühl, über dem Meer zu schweben.
Heute, wenn wir auf das Wasser blicken, suchen unsere Augen unbewohnt nach jener vertrauten Silhouette. Die Seebrücke mag sich verändern, modernisiert werden oder in neuen Formen entstehen, doch das Echo der alten Holzbohlen bleibt in unseren Herzen. Es ist die Sehnsucht nach diesem einen Moment, in dem man am Ende des Stegs stand, den Blick fest auf die dänische Küste gerichtet, und für einen kurzen Augenblick glaubte, die ganze Welt läge einem zu Füßen.