Wenn ich heute am Strand von Eckernförde stehe und den Blick über die Bucht schweifen lasse, ist es, als ob der Wind die fernen Echos von Schritten auf Holzplanken heranträgt. Die alte Seebrücke war für uns nie nur ein Bauwerk aus Pfeilern und Bohlen. Sie war der Ort, an dem der Alltag endete und die Freiheit der Ostsee begann. Ich erinnere mich noch genau an das raue Gefühl des Handlaufs unter meinen Fingern, der vom Salz der Jahre gezeichnet war, und an das rhythmische Glucksen der Wellen, die sanft gegen die dunklen Pfähle schlugen.
Es war der Treffpunkt für die ersten zaghaften Verabredungen in der Abenddämmerung, wenn der Himmel sich in ein tiefes Violett färbte und die Lichter der Stadt im Wasser zu tanzen begannen. Touristen mit ihren Kameras mischten sich unter die Einheimischen, die hier einfach nur tief durchatmeten. Manchmal blieb man stehen, um den Fischern zuzusehen, oder man starrte einfach nur hinaus auf den Horizont, wo das Blau des Wassers unmerklich in das Blau des Himmels überging. In diesen Momenten schien die Zeit stillzustehen, fernab von der Hektik der nahen Geschäftsstraßen.
Selbst wenn die Brücke im Wandel der Zeit ihr Gesicht veränderte oder Teile davon demontiert wurden, blieb ihr Geist in unseren Herzen bestehen. Das Bild der teilweise abgebauten Struktur, die wie ein unvollendetes Versprechen in die Bucht ragt, weckt eine ganz eigene Melancholie. Es erinnert uns daran, dass nichts für die Ewigkeit gebaut ist, außer den Gefühlen, die wir mit solchen Orten verbinden. Die Seebrücke war unser Fenster zum Meer, ein hölzerner Zeuge unzähliger Sommergeschichten und winterlicher Sturmböen.
Heute, wenn ich die Augen schließe, kann ich das Knarren des Holzes unter meinen Füßen noch immer hören. Es ist ein beruhigendes Geräusch, das von Heimat erzählt. Auch wenn sich das Stadtbild wandelt und alte Planken neuen weichen, bleibt die Sehnsucht nach diesem einen Ort, an dem man dem Meer ein Stück entgegengehen konnte, tief in uns verwurzelt. Eckernförde ohne seine Brücke wäre wie ein Buch ohne Einband – es ist der Rahmen, der unsere liebsten Erinnerungen zusammenhält.