Altes Eckernförde

All the news that's fit to print / Est. 1872

strasse

Kopfsteinpflaster und der Duft von Salz in der alten Langebrückstraße

Wenn ich heute die Augen schließe und an die Langebrückstraße um die Jahrhundertwende denke, dann höre ich zuerst das stete, rhythmische Klappern von Pferdehufen auf dem groben Kopfsteinpflaster. Es war das Jahr 1900, und Eckernförde fühlte sich noch wie eine Welt an, die fest in ihren eigenen Traditionen verwurzelt war. Die Luft in der Straße war eine eigentümliche Mischung aus dem salzigen Beigeschmack der Ostsee, dem schweren Geruch von frisch geräucherten Sprotten und dem feinen Staub, den die Fuhrwerke aufwirbelten. Die Fassaden der Häuser standen eng beieinander, als wollten sie sich gegenseitig Geschichten aus vergangenen Sturmfluten zuflüstern.

Man stelle sich die Szenerie vor: Frauen in langen, dunklen Kleidern, die ihre Marktkörbe trugen, und Männer mit Schiffermützen, die kurz innehielten, um Neuigkeiten auszutauschen. Es gab keine Eile, wie wir sie heute kennen. Die Uhren schienen in der Langebrückstraße langsamer zu gehen, gemessen am Takt der Wellen, die nur wenige Schritte entfernt gegen die Hafenmauer schlugen. In den Schaufenstern der kleinen Läden hingen Waren, die noch von Hand gefertigt waren, und das Licht, das auf die Straße fiel, hatte eine Weichheit, die man heute in der grellen Neonwelt vergeblich sucht.

Besonders in den frühen Abendstunden, wenn das Gold der untergehenden Sonne die Backsteine der Häuser zum Glühen brachte, entfaltete dieser Ort einen Zauber, den kein modernes Foto ganz einfangen kann. Es war eine Zeit des Übergangs, in der das Alte noch fest im Sattel saß, während die Moderne leise an die Tore der Stadt klopfte. Wer damals durch die Langebrückstraße ging, war Teil einer Gemeinschaft, die durch das Meer und den Wind geformt wurde. Dieses alte Bild, das wir heute in Händen halten, ist mehr als nur eine Aufnahme; es ist ein Fenster in eine Seele, die Eckernförde bis heute in seinen tiefsten Winkeln bewahrt hat.