Wenn der Wind vom Hafen herüberweht und das ferne Kreischen der Möwen den Takt angibt, zieht es mich immer wieder in die Fischerstraße. Sie ist eine der ältesten Adern unserer Stadt, ein Ort, an dem die Moderne nur leise anzuklopfen wagt. Die Fassaden der kleinen Häuser stehen hier Schulter an Schulter, als wollten sie sich gegenseitig stützen und die Geheimnisse bewahren, die sich über Jahrhunderte hinter ihren Mauern angesammelt haben. Man meint fast, das Echo der schweren Stiefel zu hören, wenn die Männer früherer Generationen im Morgengrauen zum Fang aufbrachen.
Besonders das alte Fachwerk zieht meine Blicke magisch an. Die dunklen Holzbalken, die sich wie wettergegerbte Linien durch den hellen Putz ziehen, erzählen von Handwerkskunst und dem harten Leben an der Küste. Es ist kein klinisch reines Museumsstück, sondern ein lebendiges Erbe. Jede Unebenheit im Mauerwerk, jedes Fensterkreuz, das vielleicht ein wenig schief im Rahmen sitzt, verleiht der Straße diesen unvergleichlichen Charakter. Man spürt die Wärme der Sommersonne, die sich im Mauerwerk speichert, und stellt sich vor, wie früher der Duft von frisch geräuchertem Fisch aus den Hinterhöfen zog.
In einer Welt, die immer schneller und lauter wird, ist die Fischerstraße ein Ankerpunkt. Hier geht man langsamer, der Blick hebt sich unwillkürlich von den eigenen Schuhspitzen zu den liebevoll gepflegten Details der Hauseingänge. Es ist dieser ganz spezielle Eckernförder Charme: eine Mischung aus rauer Seeluft und geborgener Heimeligkeit. Wenn das Abendlicht die Ziegel in ein sanftes Gold taucht, wird aus einem einfachen Spaziergang eine Reise in die eigene Kindheit, zurück in eine Zeit, in der die Welt noch so überschaubar und beständig schien wie diese alten Mauern.