Es gibt diesen ganz besonderen Geruch, den man nur im Eckernförder Stadthafen findet. Eine Mischung aus salziger Gischt, altem Tauwerk und dem fernen Aroma von geräuchertem Fisch, der in den kleinen Gassen hinter der Kaimauer veredelt wird. Wenn ich heute am Hafen stehe und den Blick über das Wasser gleiten lasse, fällt mein Auge unweigerlich auf das moderne Wahrzeichen, das seit den achtziger Jahren den Weg weist. Der neue Leuchtturm, schlank und funktional aus Glasfaser gefertigt, steht dort als Wächter der Neuzeit, direkt neben den Schatten der Vergangenheit.
Ich erinnere mich noch gut an die Abende meiner Kindheit, als das Licht der Küste eine fast magische Anziehungskraft besaß. Das alte Leuchtfeuer war mehr als nur eine Navigationshilfe; es war der Puls der Stadt. Wenn der Nebel so dicht vom Meer hereinrollte, dass man die Hand vor Augen nicht sah, war es dieses verlässliche Blinken, das uns Sicherheit gab. Der Kontrast zwischen dem historischen Erbe und dem modernen Nachfolger, der seit 1981 stolz seine zehn Meter in den norddeutschen Himmel reckt, zeigt uns, wie sehr sich die Zeiten geändert haben, ohne dass der Kern unserer Heimat verloren ging.
Der neue Turm an der Straße An de Dang wirkt fast ein wenig wie ein stiller Beobachter des Wandels. Während die Kutter früher mit lautem Tuckern und schweren Netzen heimkehrten, gleiten heute oft elegante Segelyachten an ihm vorbei. Doch in der blauen Stunde, wenn die Sonne hinter den Giebeln der Altstadt versinkt und das erste Lichtsignal über die Wellen der Bucht huscht, verschmelzen Alt und Neu zu einer Einheit. Es ist dieser Moment der Stille, in dem man spürt, dass Eckernförde immer ein Ort der Ankunft bleiben wird.
Manchmal bleibe ich kurz stehen und streiche mit der Hand über das kühle Material der Absperrung, während der Wind an meiner Jacke zerrt. Es ist ein beruhigendes Gefühl zu wissen, dass trotz aller Modernisierung der Rhythmus des Hafens derselbe geblieben ist. Der neue Leuchtturm mag ein Kind einer anderen Ära sein, doch er trägt das gleiche Versprechen in sich wie seine Vorgänger: Wer über die Ostsee kommt, ist hier willkommen. Er ist ein Stück Identität, fest verankert im Boden unserer Stadt, während seine Strahlen weit hinaus in die dunkle Nacht weisen.