Es gibt Orte, an denen die Zeit nicht in Minuten, sondern im Rhythmus der Gezeiten und dem fernen Echo der Schiffshörner gemessen wird. Wenn ich heute am Hafen von Eckernförde stehe und den Blick zum alten Leuchtturm schweifen lasse, ist es, als würde der salzige Wind eine Tür in die Vergangenheit aufstoßen. Das markante Rot und Weiß des Turms steht noch immer stolz gegen den oft grauen Ostseehimmel, ein vertrauter Anblick, der Generationen von Fischern den Weg zurück in den sicheren Hafen gewiesen hat. Für uns Kinder war er jedoch weit mehr als nur ein technisches Bauwerk; er war der unerschütterliche Fixpunkt unserer Welt.
Ich erinnere mich noch genau an die Geräusche jener Tage: das Kreischen der Möwen, die sich um die Reste des Beifangs stritten, und das sanfte Klatschen der Wellen gegen die Kaimauer. Der alte Leuchtturm, der seit dem frühen 20. Jahrhundert seinen Dienst tat, roch nach Teer, altem Eisen und der unendlichen Weite des Meeres. Wenn die Sonne langsam hinter den Häusern der Altstadt versank und das Licht des Turms zum ersten Mal die Dunkelheit durchschnitt, fühlte sich alles richtig an. Es war ein Versprechen von Beständigkeit in einer Welt, die sich schon damals viel zu schnell drehte.
Seit dem Sommer 1981 schweigt das Feuer des alten Wächters offiziell, doch seine Seele ist geblieben. Wenn man heute an der Hafenkante entlangschlendert, vorbei an den Kuttern und den modernen Segelbooten, scheint der Turm eine Geschichte zu flüstern. Er erzählt von stürmischen Nächten, in denen sein Licht der einzige Anker für die Seelen auf dem Wasser war, und von den ruhigen Vormittagen, an denen wir auf seinen Stufen saßen und davon träumten, was wohl hinter dem Horizont liegen mag. Er ist ein Denkmal der Geborgenheit, das uns daran erinnert, wo unsere Wurzeln im sandigen Boden der Küste liegen.