Wenn der Wind die salzige Luft vom Hafen herauf in die Altstadt trägt, ist es oft das tiefe, vertraute Schlagen der Glocken von St. Nicolai, das uns innehalten lässt. Der wuchtige Backsteinturm steht dort am Kirchplatz wie ein unerschütterlicher Anker in der Brandung der Zeit. Wer als Kind durch die engen Gassen gelaufen ist, erinnert sich sicher an das Gefühl, den Kopf weit in den Nacken zu legen, um die Spitze zu suchen, während die Sonnenstrahlen auf dem roten Ziegelmauerwerk tanzten.
Im Inneren der Kirche scheint die Welt draußen zu verblassen. Der Geruch von altem Holz, Kerzenwachs und der kühle Hauch der dicken Mauern erzählen Geschichten von Generationen, die hier Trost und Gemeinschaft suchten. Ich erinnere mich noch gut an die hölzernen Kirchenbänke, die bei jeder Bewegung leise knarrten, und an das bunte Licht, das durch die Fenster fiel und tanzende Muster auf den Boden zauberte. Es war ein Ort, an dem die Hektik des Alltags vor der schweren Tür blieb und man für einen Moment die Ewigkeit spüren konnte.
St. Nicolai ist weit mehr als nur ein Baudenkmal aus Backstein; sie ist das schlagende Herz von Eckernförde. Ob bei Taufen, Hochzeiten oder dem stillen Gedenken – der Turm war stets der stumme Zeuge unseres Lebens. Auch wenn sich die Stadt um sie herum verändert hat und neue Fassaden das Bild prägen, bleibt der Blick hinauf zum Kirchplatz eine Konstante, die uns sagt, dass wir zu Hause sind. Es sind diese festen Punkte in unserer Erinnerung, die uns auch in stürmischen Zeiten Halt geben.