Wenn man heute die Kieler Straße entlangschlendert und der Wind den salzigen Geruch der Ostsee herübeträgt, bleibt der Blick unweigerlich an der Fassade der alten Baugewerkschule hängen. Es ist ein Gebäude, das Ruhe und Würde ausstrahlt, ein stolzes Zeugnis aus einer Zeit, als Architektur noch als wahre Handwerkskunst zelebriert wurde. Seit 1868 steht dieses Haus nun schon da, fest verwurzelt im Boden unserer Stadt, und blickt mit seinen hohen Fenstern auf das Treiben der Generationen herab, die an ihm vorbeigezogen sind.
Ich erinnere mich an die Erzählungen der Älteren, die davon berichteten, wie das Leben in diesen Mauern pulsierte. Man meint fast noch heute, das Kratzen der Federkiele auf dem Papier und das leise Murmeln der Studenten zu hören, die über Entwürfen und Statiken brüteten. Es herrschte ein Geist des Aufbruchs in diesen Räumen. Hier wurde nicht nur gelernt, wie man Mauern hochzieht, sondern wie man einer Stadt ein Gesicht gibt. Der rote Backstein, so typisch für unsere schleswig-holsteinische Heimat, leuchtet im Abendlicht noch immer in jenem warmen Ton, der Geborgenheit und Beständigkeit verspricht.
Die Inschrift Bauschule prangt noch immer stolz an der Front und erinnert uns an die Blütezeit Eckernfördes, als junge Männer aus nah und fern in unsere kleine Stadt am Meer kamen, um das Fundament für ihre Zukunft zu legen. Es ist mehr als nur ein Kulturdenkmal; es ist ein Ankerpunkt unserer Identität. In einer Welt, die sich immer schneller dreht und in der moderne Glasbauten oft kühl und austauschbar wirken, schenkt uns die alte Baugewerkschule ein Gefühl von Kontinuität.
Jedes Mal, wenn ich vor dem prächtigen Portal stehe, frage ich mich, wie viele Träume und Pläne wohl hinter diesen Mauern geschmiedet wurden. Die Baugewerkschule ist ein stummer Zeuge der Geschichte, der uns mahnt, das Erbe unserer Vorfahren zu schätzen und die Schönheit im Detail nicht zu vergessen. Es ist ein Geschenk, dass dieses Stück altes Eckernförde bis heute überdauert hat und uns jeden Tag aufs Neue daran erinnert, wer wir sind und woher wir kommen.