Es gibt Gerüche, die sich so tief in das Gedächtnis graben, dass ein einziger Windhauch genügt, um Jahrzehnte zu überbrücken. In Borby, dem alten Fischerdorf am Hang über der Eckernförder Bucht, ist es dieser schwere, süßliche Duft von brennendem Buchenholz, der in den Gassen hängt. Wer früher am Vormittag an den kleinen Katen vorbeiging, sah den bläulichen Dunst aus den Schornsteinen kräuseln – ein untrügliches Zeichen dafür, dass das Gold der Ostsee gerade veredelt wurde. Es war die Zeit, in der die Uhren noch nach den Gezeiten und dem Fang der Nacht tickten.
Ich erinnere mich an die Besuche bei N. J. Burgund, wo die Tradition nicht nur ein Wort war, sondern gelebtes Handwerk. Es war ein besonderer Anblick, wenn die silbrigen Leiber der Fische, sorgsam aufgereiht, in den Laden kamen. Die Haut spiegelte das kühle Licht des Nordens wider, fest und klar, als trügen sie noch das Salz der Förde auf den Schuppen. Es war kein anonymer Einkauf, es war eine Begegnung. Man kannte die Gesichter hinter dem Tresen, die Hände, die wussten, wie man einen Fisch führt, und die Geschichten, die mit jedem Pfund Seelachs oder Dorsch über den Tisch gereicht wurden.
In den engen Wegen von Borby scheint die Welt heute für einen Moment stillzustehen, wenn man vor den alten Gemäuern verweilt. Während unten im Hafen die großen Segler und die moderne Zeit Einzug gehalten haben, bewahrt sich das alte Fischerdorf seine Seele in den Details: im Klappern der Fischkisten, im rauen Gruß der Nachbarn und in der Beständigkeit der Räucheröfen. Es ist ein Erbe, das nach Meer und harter Arbeit schmeckt, ehrlich und unverfälscht, wie eine Brise, die direkt vom Wasser herüberweht.
Wenn ich heute durch Borby spaziere und den Blick über die Bucht schweifen lasse, spüre ich diese tiefe Verbundenheit zur Heimat. Die Fischereitradition ist hier kein Museumsstück, sondern ein pulsierender Teil unserer Identität. Solange der Rauch aufsteigt und der frische Fang in den Auslagen glänzt, bleibt ein Stück des alten Eckernförde lebendig – ein Versprechen an die Vergangenheit, das uns auch morgen noch nährt.